Es ist ein Ausdruck unserer Zeit, dass der Mensch nach
dem Ursprünglichen sucht und dorthin zurückkehren
will.
Im Zeitalter der möglichen tolalen Zerstörung des
Lebens werden diese instinktiven Wünsche realistischer
denn je. Der menschliche Geist und das Denken haben
nahezu alles erreicht. Materie kann beliebig verändert
und aufgelöst, sodann in unendlicher Vielgestaltigkeit
neu geschaffen werden. Energie kann in jeder Form
erzeugt und sogar kontrolliert werden. Der Weltraum ist
greifbar, Sonnen- und Planetensysteme werden
entmystifiziert.
Doch der Mensch ist daran, die Schwelle seiner
Fähigkeiten zu überschreiten. Als zwangläufige Folge
erscheint seine eigene Zerstörung. Nur die Naturgewalten der Erde Stürme, Fluten, Trockenheiten, Erdbeben und Vulkanausbrüche kann er noch nicht kontrollieren. Sie erinnern ihn täglich an seine Unzulänglichkeiten. Deshalb versucht er, sich diesen Kräften zu entziehen und durchlebt eine Epoche der Oberflächlichkeit, des unbedingten Konsums und der Ohnmacht gegenüber seinen grandiosen Technologien. Die von ihm geschaffenen modernen Materialien Metall, Beton und Kunststoff verlieren ihre Reize, und die Sehnsucht nach natürlicher Materie wie Holz und Stein wächst.
Aus dem Zwiespalt von naturlicher Empfindung und
rationalem Denken, dem spezifisch Menschlichen, erklärt
sich das künstlerische Schaffen Andre Buchers, der, um
das Ursprüngliche zu erleben und um sich zu erneuern,
wie Anteus versucht, den direkten Kontakt mit der Erde
aufzunehmen. Dabei bedient er sich einer natürlichen
Ausdrucksweise. Er vereint am Ort des Geschehens
natürliche mit künstlicher Materie. Vulkane, Zeugen einer
vor viereinhalb Milliarden Jahren beginnenden Entwicklung
der Erde und des Lebens, sind die zentralen Stätten
seines kreativen Schaffens. Dort erlebt Andre Bucher,
den Kampf mit den Naturgewalten und Gefahren nicht
scheuend, wie unter seiner Hand und einigen
einfachen Werkzeugen glutflüssige Lava mit künstlichen
Produkten zu einer Einheit verschmilzt.
Das Ergebnis ist scheinbar einfach. Formen und
Geometrie ergeben sich von selbst. Die Formenfülle und
Variabilität der Dimensionen der Skulpturen sind
Ausdruck der sich spontan ändernden
Arbeitsbedingungen in unmittelbarer Nähe der
unkontrollierbaren Lavaausbrüche. Es entstehen Formen
der Spannung. Sie verkörpern das Ringen mit der Kraft
des Feuers auf dem Vulkan. Bronze und Holz, Seile und
Ketten binden die Lavafetzen und vulkanischen Bomben
und engen ihre Kräfte ein. Dennoch dominiert die
natürliche Materie und bezwingt mit ihrer Energie und
Dynamik alles künstlich Geschaffene. Die zu
Vulkangestein erstarrte Lava hat Metall und Kunststoff
durchbrochen, geschmolzen, verkettet und umschlossen.
Sie hingegen, und das ist erstaunlich, ist nicht von der
künstlichen Materie beeinflusst worden. Sie bleibt das
bestandigere Element.
Und so können wir die Plastiken Buchers als eine
Brücke zum menschlichen Leben und als ein Suchen
nach dem Mass des Menschen ansehen. Das Künstliche
und gleichsam Unbeständige kann mit der Vernunft, dem
Denken und dem menschlichen Geist verglichen werden.
Das Natürliche und Ursprüngliche wird durch die
unkontrollierbaren Empfindungen wie Liebe und Hass,
Freude und Trauer verkörpert. Sie finden ihren Ausdruck
im Glauben, in der Entstehung des Lebens und im Tod.
Der Mensch erscheint somit als etwas Zwiespältiges und
sogar Absurdes.
Nur der schöpferische Geist mit seinen künstlerischen
Ausdrucksmöglichkeiten scheint befähigt zu sein,
diesen Zwiespalt zu erkennen und zu vereinigen. Das
Mass des Lebens kann der Mensch in den Kunstwerken
nur erahnen - es zu finden - ist seine lebenslange
Aufgabe.
|