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Zu den Arbeiten von Marilena Samboura
von Olga Daniilopoulou

Die Athenerin Marilena Samboura hat schon mehrfach auf überzeugende Art ihre Eigenständigkeit und die Dynamik ihrer persönlichen Ausdrucksweise unter Beweis gestellt. Ihre stilistische Ausrichtung nach dem Studiengang Graphik, in dem sie ihr Diplom an der Hochschule der Bildenden Künste Athen erwarb, war in den strengen Konturen ihrer frühen Zeichnung noch erkennbar, bei einer Thematik, die vor allem Objekte und Personen ihrer unmittelbaren Umgebung einschloss. In ihrer weiteren Entwicklung wurde ihre Arbeit immer malerischer, die Farbe übernahm schliesslich eine genauso wichtige Rolle wie die Zeichnung. Zunächst verwendete sie vor allem gebrochene Erdfarben: Braun, Rotbraun, Grau, Ocker. In einer langen Reihe von meist grossformatigen "Stein-landschaften", mit denen sie 1990 eine ganze Ausstellung bestritt, wurde der sensible, differenzierte Umgang der Künstlerin mit Farbnuancen auch innerhalb einer beschränkten Farbpalette klar. Später begann sie, neben dieser Farbpalettte, die ihr weiterhin sehr liegt, immer häufiger auch klare, kräftige Farben zu verwenden, so dass ihre heut,ige Arbeit neben den zeichnerischen auch starke koloristische Qualitäten aufweist. Der Inhalt, das erkennbare Motiv, spielt nach wie vor eine wichtige Rolle innerhalb ihrer Arbeit und doch scheinen oft ihre Bilder vor allem durch die Kraft und die besondere Ausstrahlung ihrer Farbbehandlung hervorzutreten und in Erinnerung zu bleiben.
Marilena Samboura erzählt in ihren Bildern Geschichten, ohne dabei literarisch zu werden. Diese Geschichten verbergen sich in Stimmungen, die sich am besten anhand von Objekten, von Räumen oder von sonderbar anmutenden Situationen auf eine poetische Art und Weise nacherzählen lassen.
Die Arbeit von Marilena Samboura hat eine wichtige Position innerhalb der griechischen Künstlergeneration der 80er Jahre inne. Eine langanhaltende Vorliebe für expressionistische Ausdrucksweise hat, wie auch andernorts in Europa, in Griechenland eine Generation von Malern hervorgebracht, deren Werk sich im Verlauf des letzten Jahrzehnts und bis heute im Rahmen der traditionellen Malerei auf leinwand weiterentwickelte. Diese Künstler bringen mit den breitgefächerten Möglichkeiten des Pinsels und der Farbe vor allem intensive Gefühle zum Ausdruck. Die traditionelle Malweise ist in Griechenland immer aktuell geblieben, ihre Akzeptanz und Verbreitung wurde durch andere zeitgenössischen Arbeitsweisen nicht in Frage gestellt.
Marilena Samboura gehört zu diesem Umfeld und geht einen überzeugenden künstlerischen Weg. In ihrer Malerei halten sich Inhalt und Malweise im Gleichgewicht. Ihre Arbeitsweise ist entschieden und kraftvoll. Die Künstlerin bearbeitet klare Farben und ihr oft pastoser Auftrag lässt die Oberfläche ihrer Bilder an Tiefe gewinnen. Marilena Samboura sieht zuerst in der Vorstellung, visionsartig ihre Bilder, bevor sie sie auf die leinwand oder das Papier bringt. Ihre Bilder wandeln sich zu Bühnen um, luf denen das jeweilige Thema in einem besonderen, intensiven Licht steht. Ihre Werke sind grundsätzlich figurativ, trotz ihres oft starken Abstraktionsgrades. Diese Abstraktion bezweckt nur, ihren Wunsch, das zentrale Motiv, das sie beschäftigt, durch die Reduktion zu konzentrieren und dadurch zu betonen. In der Regel sind ihre eigene Vorstellungen mit jen Motiven, die sie darstellt, verbunden, was ihrer Arbeit eine besondere Qualität von Echtheit verleiht. Ihre menschliche Haltung fliesst in ihre Arbeit ein und gibt ihr Kraft.
Nachdem sie über längere Jahre die reelle Landschaft in Naturbildern und die "innere" Landschaft symbolisch in architektonischen Raumbildern mit einer sonderbaren, lyrischen Atmosphäre thematisiert hat, wandte sich Marilena Samboura in der letzten Zeit verstärkt einer neuen Thematik: dem ferhältnis der Geschlechter. Nicht um es zu werten, sondern um die jeweiligen Standorte und ihre Besonderheiten zu untersuchen. Für eine kürzlich gezeigte Ausstellung mit dem Titel "Eins-Zwei, Eins-Zwei/ Männlich-Weiblich", liess sie sich von der historischen Form der Parade inspirieren, einer Parade beider Geschlechter. Die Idee des Heros wurde lllerdings von der Künstlerin leicht ironisch gebrochen, sie schreibt der Frau eine andere, freiere, individuellere Role zu, als die des streng jisziplinierten, im Gleichschritt ernst marschierenden Mannes. Das Heroische, die Legende führten sie auch zur Thematik der romantischen Selbstmörderin, die im freiwilligen Tod allein die Erlösung aus ihrem bedrückenden Schicksal sieht. Dabei lehnt sie sich an mehr oder weniger bekannte Legenden, wie sie nicht nur in Griechenland eine gewisse fertrautheit der Frau zum Tod aufweisen. Doch geht die Künstlerin über jie konkrete Überlieferung hinaus. Ihre Bilder werden zu Zeichen "eduziert, das Moment des Ertrinkens, des Sterbens weist auf diese besondere Verbindung des Weiblichen mit dem Tod hin: nämlich die Frau als lktiven Teil des ewigen Zyklus von Geboren werden und Sterben, von Werden und Vergehen.
Das Akzeptieren des Ungewohnten, des Besonderen, erlaubt immer eine tiefere Einsicht in die Dinge. Und das Erkennen der Beziehungen zwischen jen Tatsachen verhilft zu ihrem besseren Verständnis. Die spannungsvollen Jilder von Marilena Samboura, deren Intensität manchmal durch heftige (ontraste unterstrichen und manchmal durch eine lyrisch-malerische Arbeitsweise etwas gemildert wird, können gewiss auch diejenigen Jetrachter berühren, die mit dem konkreten thematischen Ausgangspunkt ihrer Werke nicht besonders vertraut sind.

Olga Daniilopoulou
(aus dem Griechischen übersetzt und ergänzt von Katerina Vatsella)


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