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"Preise für Kunst voraussagen wäre reine Spekulation" (10. June 2007)
Karl Schweizer, Verantwortlicher der Abteilung Art Banking UBS, wird auf keinen Fall die glamouröse Art Basel verpassen, die am 12. Juni ihre Tore öffnet.
Als Hauptsponsor dieser wichtigen Messe bietet die Bank den Sammlern ihre Dienstleistungen an, denn Art Banking hat sich der Vermögensverwaltung verpflichtet. Im Sog der Börse hat der Kunstmarkt im letzten Jahr einen phänomenalen Zuwachs erreicht. Fachleute sprechen von etwa 25% - und eine Änderung ist nicht in Sicht. Im Mai haben sich die Verkäufe im Vergleich zum selben Zeitraum des letzten Jahres bei Christie's und Sotheby beinahe verdoppelt. Die Zahlen der Art Basel sind streng geheim, doch alles deutet darauf hin, dass die Messe die erfolgreichste überhaupt sein wird. Das Wachstum im Kunstbereich ist derart vielversprechend, dass nun auch die Banken im Wettkampf mitmischen. Wie die UBS, die seit 1998 ihren Klienten mit Rat und Tat zu Diensten steht. Ihr Ziel ist es, undurchsichtige Ränkespiele auf dem Kunstmarkt zu vereiteln und den Schmuggel mit Kunstwerken zu unterbinden.
swissinfo: Als die UBS 1998 diese spezielle Abteilung schuf, war sie eine der ersten Banken, die Kunst und Geld zusammenbrachte. Eine etwas merkwürdige Heirat, nicht?
Wir bieten keine Beratungen für Investitionen an. Unsere Dienstleistungen richten sich an kunstbegeisterte Kunden, hauptsächlich im Bereich Erwerb und Veräusserung und bei Fragen rund um Transport, Versicherung und Herkunft von Kunstwerken. Objektivität, Neutralität und Unabhängigkeit, das sind die Kernpunkte unserer Beratung. Die Nachfrage steigt, denn unsere Klienten haben wenig Vertrauen in eine Kunstwelt, die wegen mannigfachen Interessenskonflikten in Verruf geraten ist.
swissinfo: Zugegeben, ein Kunstmarkt mit einem Umsatz von rund 30 Milliarden Dollar im Jahr 2006 wird immer gewichtiger... Während meiner Karriere habe ich zwei Einbrüche des Marktes miterlebt und jedes Mal hat die Entwicklung der Börse eine unmittelbare Auswirkung auf die Verkäufe von Kunstwerken ausgeübt. Im Moment gibt es einen Markt der Käufer; sie bestimmen den Preis, den sie zu zahlen bereit sind, und dies wiederum beeinflusst die Transaktionen und folglich die Preise. Das bedeutet, dass im Fall einer Börsenkrise die Verkäufer gezwungen sind, die Preise zu senken, was sie jedoch nie zugeben würden, denn die Show muss ja weitergehen. Der Kunstmarkt ist eine Welt der Gerüchte, in der niemand eine Niederlage eingesteht. Deshalb ist es auch unmöglich, die Entwicklung der Preise für die Kunstwerke vorauszusagen. Das wäre reine Spekulation.
swissinfo: Wie erklären Sie sich diese allgemeine Begeisterung? Die Begeisterung für die Kunst und den Kunsthandel ist in Europa eng verflochten mit der kulturellen Tradition und dem wirtschaftlichen Wachstum. In den Vereinigten Staaten jedoch ist das Phänomen spektakulär. Die kulturelle Tradition ist dort nicht älter als 250 Jahre und die Kunst spielt eine immer wichtigere Rolle bei der gesellschaftlichen Integration, was bedeutet, dass viele Junge in diese Welt der Kunst eintreten möchten und bereit sind, dafür Unsummen zu bezahlen. In Asien, vor allem in China, ist es komplizierter. Die Schaffung von Reichtum ist enorm, aber es besteht auch ein Interessenskonflikt zwischen traditioneller und westlicher Kultur. Die aktuelle chinesische Kunstproduktion ist zu einem grossen Teil ganz offensichtlich für den Westen bestimmt.
swissinfo: Seit die Auktionshäuser sich mit zeitgenössischer Kunst und Künstlern beschäftigen, hat man hat den Eindruck, dass die Museen und Galerien nicht mehr viel zu sagen haben...
Andererseits ist die Grenze zwischen den Aktivitäten der Auktionatoren und der Galerien nicht mehr klar zu trennen, denn beide tendieren dazu, gemeinsam Geschäfte zu machen. Die Museen hingegen sind die Hüter des Tempels, und sie sind es, die die Qualitätsstandards definieren. Schliesslich gibt es noch die Kunstgeschichte, eine Wissenschaft, die zu allen Zeiten das Innovative an der Kunst und deren Qualität erkannte und definierte.
swissinfo: Und Sie selber, sind Sie zuerst Kunstliebhaber oder Banker? Angefangen habe ich mit dem Sammeln von Fotografien. Damit habe ich nun aufgehört und interessiere mich eher für Kunstwerke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und für chinesische Antiquitäten.
swissinfo-Interview: Isabelle Eichenberger
(Übertragung aus dem Französischen: Christine Fuhre)
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